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VDV Gleisbau Berlin: 20 interessante Jahre

Termin:  28.02. 09:30 Uhr - 29.02.2020 14:00 Uhr
Ort: Berlin

Bereits zum 20. Mal führte die Fachgruppe 11 „Gleisbau“ des BILDUNGSWERK VDV dieses, stets Ende Februar/Anfang März in Berlin stattfindende Seminar durch (Abb. 1). Auch 2020 war das Interesse am Seminarprogramm mit 11 Vorträgen und zwei Exkursionen rund um Planung, Bau und Vermessung ungebrochen. Ein neues Format waren die Kurzpräsentationen der Aussteller am Freitagnachmittag. Die bereits zum sechsten Mal genutzte Tagungsstätte Beuth Hochschule hat sich bewährt, gekommen waren wieder insgesamt rund 240 Teilnehmer aus verschiedenen Vermessungs- und Ingenieurbüros, von der DB, von Baubetrieben sowie weiteren Firmen und Einrichtungen, die aufmerksam den Vorträgen folgten (Abb. 2) und sich rege an den Diskussionen im Anschluss an die Referate und auch in den Pausen beteiligten. Ein Ausstellungsbereich im Foyer (Abb.3) ergänzte das Seminarprogramm und regte zum fachlichen Disput mit den sieben ausstellenden Unternehmen an (2019: 6 Aussteller).

Strukturiert war das Seminar in bewährter Weise in Sessionen mit je zwei Vorträgen:

1.      Bildung Information Modeling (BIM)

2.      Zukunft Bahn

3.      Messverfahren

4.      Georadar und Ingenieurbau

5.      Raumordnungsverfahren und Trassierung

6.      Rückblick auf 20 Jahre Gleisbauseminar (1 Vortrag)

Inhaltlich hatten die Vorträge eine unterschiedliche Gewichtung innerhalb des Seminarprogramms.

Exkursionen am Freitagnachmittag führten erstens zur Baustelle der neuen U-Bahnlinie 5 im Berliner Stadtzentrum und zweitens zum Bahnhof Berlin Ostbahnhof (Monitoringsystem für die Überwachung der Bahnhofshalle). Als ein neues Format für die sonst übliche Podiumsdiskussion wurde am Freitagnachmittag den sieben Ausstellern Gelegenheit gegeben, ihre Neuheiten sowie aktuelle Trends im Unternehmen in Kurzpräsentationen vorzustellen. Der Wissensaustausch wurde am Abend in sehr angenehmer Atmosphäre mit musikalischer Untermalung in der rustikalen Beuth-Halle auf dem Campus der Beuth Hochschule fortgesetzt. Rund 70% der Teilnehmer nutzten diesen Abend als Möglichkeit zu einem zwanglosen Erfahrungsaustausch mit Fachkolleginnen und Fachkollegen.

Session 1

Gestartet wurde am Freitag nach der Begrüßung durch die Fachgruppe Gleisbau (FG 11) mit dem ersten Vortrag von Jörg Kapusta (Hamburg Port Authority AöR [HPA], Hamburg) zum Thema „Neue Rethedoppelklappbrücke – Höchste Ingenieurskunst“. Die Hamburger Hafenbehörde hat ca. 1800 Mitarbeiter und ist für die Durchführung des Betriebs, die Weiterentwicklung sowie für die Infrastruktur des Hafens zuständig. Zum Aufgabengebiet gehören deshalb u.a. auch die Erhaltung der Verfügbarkeit von Ingenieurbauwerken und Anlagen der Hafenbahn. Der Referent erläuterte eingangs die Gründe für die Errichtung der neuen Doppelklappbrücke mit einer Spannweite von rund 104 m, damit wird die Fahrwasserbreite um 20 m auf 64 m erweitert. Das neue Bauwerk ist Ersatz für die bisherige Rethehubbrücke (erbaut 1934). Durch die bauliche Trennung von Straßen- und Schienenverkehr gibt es keine Verkehrskonflikte mehr (Güterzüge haben im Hamburger Hafen stets Vorrang). Die bisherigen Höhenbeschränkungen für die Schifffahrt existieren in Zukunft nicht mehr. Die gelungene Brückenkonstruktion wurde mit dem Preis Brückenbau 2019 durch das Bauforum Stahl ausgezeichnet. Während der Baumaßnahmen wurde ein permanentes Monitoringsystem eingerichtet, um die Funktionsfähigkeit der unmittelbar neben der Baustelle liegenden alten Hubbrücke zu gewährleisten. Dafür waren vor allem die räumlichen Widerlagerbewegungen und die maßgebenden Umwelteinflüsse zu erfassen und zu dokumentieren. Bei Überschreitung der festgelegten Grenzwerte wäre eine Alarmierung erfolgt. Für die notwendigen Belastungsproben, z. B. der neuen Bahnbrücke, wurde das System ebenfalls genutzt. Eine abschließende Herausforderung bildeten der Rückbau der alten Hubbrücke, hierzu wurde das Monitoring auf das neue Bauwerk erweitert.

Den zweiten Vortrag hielten Maximilian Borth und Joshua Grzeskowiak (beide DB Engineering & Consulting GmbH, Berlin) zum Thema „Vom Bestandsmodell zur 4D-Simulation“ (Abb. 4). Die Referenten stellten ihr BIM-Thema am konkreten Beispiel von Brückenbauwerken (Ersatzbauwerke) in Bernau vor. Nach der Projektvorstellung wurde als erstes die 3D-Bestandaufnahme und Bestandsmodellierung als Basis für die weitere Planung im Detail erläutert. Dafür wurden neben verfügbaren Bestanddaten (IZ Plan der DB sowie Datenmodelle der Landesvermessung) eine klassische 3D-Bauwerksvermessung und ein Laserscanning der Bestandsbauwerke durchgeführt. Damit lag ein komplexes Digitales Geländemodell (DGM) als Grundlage für BIM vor. Ergebnis der Qualitätssicherung war, die Passgenauigkeit der einzelnen Bestandteile lag unter 3 cm. Darauf aufbauend wurden Fachmodelle für die Planung erstellt. Das betraf neben dem Oberbau und der Leit- und Sicherungstechnik (LST) weitere Fachgewerke. Das BIM-Projekt diente anschließend als Grundlage für die Bauablaufplanung. Dafür waren die Hauptbauphasen mit den erforderlichen Arbeitsschritten im Modell zu definieren. Eindrucksvoll demonstrierten die Referenten in einer Terminplanvisualisierung (Verknüpfung von Bestandsmodell und Bauablaufplanung) wie die einzelnen Bauphasen ablaufen werden. Hier zeigt sich der unstrittige Vorteil eines komplexen Bauwerksmodells. Durch Kollisionprüfungen in der Bautechnologie lassen vor der Bauausführung kritische Stellen erkennen. Mit einer Bewertung bautechnologischer Zusammenhangsmaßnahmen war eine weitere Optimierung der Bauausführung möglich. Die Terminplanung bzw. die weitere Entwicklung der Bautechnologie sollen künftig unmittelbar am Modell erfolgen. Dieses wird bis zu einer (teil)automatisierten Terminplanung weitergeführt.

Die bauliche Umsetzung des Projekts steht noch bevor, so dass sich ergebende notwendige Änderung in das Modell ohne größeren Aufwand einpflegen lassen.

 

Session 2

Nach der ersten Pause (Abb. 5) folgten zwei weitere Vorträge, die dem Thema „Zukunft Bahn“ gewidmet waren.

Bastian Haafke (DB Engineering & Consulting, Berlin) erläuterte, was unter „Digitale Schiene Deutschland“ (DSD) zu verstehen ist und welchen Umfang dieses Projekt haben wird. Dazu stellte er am Beginn die Aufgaben der Prüfstelle von DB E&C vor. Diese befasst sich mit der gutachterlichen Prüfung von Eisenbahninfrastrukturanlagen (vornehmlich LST und E-Technik). Mit DSD werden neuen Technologien aufgesetzt, die den Bahnbetrieb der Zukunft ermöglichen. Dazu folgt in Stufe 1 die Ausrüstung des Netzes mit ETCS und digitalen Stellwerken (DSTW). Stufe 2 wird dann der digitalisierte Bahnbetrieb, u. a. mit hochautomatisiertem Fahren und Verkehrsmanagement durch künstliche Intelligenz sein. Interessant war, dass es bei der DB noch eine Vielzahl älterer Stellwerke (mechanische, elektromechanische und Relaisstellwerke) gibt. Derzeit wird mit ETCS und DSTW die Basis für die Digitalisierung der Eisenbahninfrastruktur aufgebaut. Für Stufe 1 gibt es bereits einige Pilotprojekte, wie z. B. das DSTW Warnemünde. Digitaler Bahnbetrieb wird derzeit bereits an einer Strecke im Erzgebirge praktisch erprobt („Living Lab“). Die Vorteile: DSTW erfordern eine weniger aufwendige und teure Verkabelung als ESTW, bei gleichzeitiger Abdeckung größerer Bereiche. Für die Einrichtung von DSTW sind vor Ort entsprechende Baukomponenten erforderlich, die an einen sog. Technikstandort angebunden sind. Fazit: Mit DSD soll im Netz mehr Effizienz, mehr Kapazität und mehr Zuverlässigkeit erreicht werden. Das Projekt ist außerdem ein Innovationstreiber für die Industrie und gut für den Umweltschutz.

Im anschließenden Vortrag stellte Matthias Burg (DB Engineering & Consulting, Frankfurt a. M.) die neue Richtlinie 883.8XXX „Geo-Monitoring“ vor. Er erläuterte die Beweggründe, Festlegungen dazu erstmals in einer Richtlinie festzulegen. Diese besteht aus den Modulen Geo-Monitoring - Grundsätze, Geo-Monitoring - Bedarf analysieren und bewerten, Geo-Monitoring planen und Geo-Monitoring durchführen, auswerten und bewerten. Die einzelnen Module wurden erläutert. Dabei ging der Referent auf die erreichbare Genauigkeit mit den verschiedenen Sensoren (z. B. Tachymeter, Inklinometer etc.) des jeweiligen Systems ein. Sofortige Ergebnisse von hoher Genauigkeit liefern Potentiometer bzw. elektronische Schlauchwaagen, bei beiden Systemen ist auch eine ginge Störfälligkeit zu verzeichnen. Mit Inklinometern ist eine Genauigkeit von 0,1 mm auf 10 m erreichbar bei maximal einem Messwert pro Sekunde. Wesentlich flexibler sind Messungen mit einem Potentiometer, die mit s < 0,01 mm bei einer Messfrequenz von 1000 Hz möglich sind. Im Datenlogger vor Ort ist u. a. die Software untergebracht. Das System ist redundant aufgebaut, d. h., bei Datenausfällen gibt es keine Verluste. Der Referent demonstrierte dann in Echtzeit die verschiedenen Sensoren von aktuellen Projekten, u. a. das vom Ostbahnhof. Fazit: Jeder Projektleiter/Anlagenverantwortliche sollte überlegen, ob er mit Geo-Monitoring die Sicherheit einer Baumaßnahme erhöhen kann. Das aufzustellende Programm für das Geo-Monitoring muss von einem Prüfer abgenommen werden. Eine Gruppe von Seminarteilnehmern konnte das Objekt Ostbahnhof am Nachmittag vor Ort besichtigen.

 

Session 3

Nach der Mittagspause erläuterten Stefan Löschke und Esther Linder (beide Berliner Verkehrsbetriebe BVG), mit welcher Technik und Technologie die Lichtraumkontrollen bei der U-Bahn durchgeführt werden. Grundlage für alle Vermessungsarbeiten ist zum einen die Straßenbahn-Bau- und Betriebsordnung – BOStrab - und zum anderen das interne „Handbuch Vermessung U-Bahn“ der BVG, ergänzt durch BVG-interne Richtlinien. Einleitend gab Stefan Löschke einen kurzen Überblick zu den verschiedenen Arbeiten. Dazu gehören neben denen für das Lage- und Höhenfestpunktfeld auch die Bestandsvermessung, die Trassierung und die Absteckarbeiten. Für alle Arbeiten sind die Abläufe, die jeweiligen Genauigkeits- und weiteren Vorgaben bis hin zu den Datenaustauschformaten zu finden. Das Handbuch wird auch den Auftragnehmern zur Verfügung gestellt. Ein wichtiger Bestandteil der Arbeit ist die Betriebsvermessung nach BOStrab, dazu gehören die Gleisgeometriekontrollen und die Lichtraumkontrollen. Die Gleisgeometriekontrollen werden jährlich mit einem Messfahrzeug EM 80 von Plasser & Theurer durchgeführt. Lichtraumkontrollen sind turnusmäßig alle fünf Jahre und bei Abnahmen nach Baumaßnahmen vorgeschrieben. Bis 2017 waren dafür umgebaute U-Bahnwagen im Einsatz. Nach verschiedenen Untersuchungen und Tests fiel 2019 die Entscheidung für das GEDO CE von Trimble. Frau Linder erläuterte als Co-Referentin wie dieses System für die Lichtraumkontrollen genutzt wird. Benutzt wird entweder ein Zwei-Wagen-System GEDO Vorsys oder ein Ein-Wagen-System GEDO Rec (Tracking mittels Tachymeter), jeweils mit einem Laserscanner. Nach den erforderlichen Vorbereitungen, werden die Messungen in der nächtlichen Betriebspause durchgeführt. Der Kollisionstest wird bzgl. des Ist- und auch des Soll-Gleises durchgeführt, wobei auch die notwendigen Lichtraumzuschläge berücksichtigt werden. Fazit: Das System hat sich seit einem Jahr bewährt. Für eine effiziente großflächige Lichtraumkontrolle wäre aber ein fahrzeuggestütztes System durchaus von Vorteil. Für den Neubauabschnitt der U5 wurden bereits Zwischenprüfungen bzgl. des Lichtraums durchgeführt, die Abnahmemessungen für die Inbetriebnahme stehen noch aus.

Den letzten Vortrag am Freitag hielten Andreas Enders (VERMDOK GmbH, Berlin) und Robin Ullrich (Hochschule München). Zunächst referierte Andreas Enders über „Lasertracker statt Bohrschablone“. Dieser Vortrag zeigte, wo in Verbindung mit spurgeführtem Verkehr geodätische Messtechnik auch noch im Einsatz ist. Die Absteckungen für den Fahrzeuginnenausbau sind ein wichtiger Teil der Qualitätssicherung in der Schienenfahrzeugfertigung. Dazu hat die VERMDOK zusammen mit der Fa. Hexagon innovative Werkzeuge entwickelt, um die entsprechenden Bohrpunkte unmittelbar während der Absteckung mit einem Lasertracker entsprechend markieren zu können. Dazu erläuterte der Referent kurz die bisherige Vorgehensweise mit Bohrschablonen. Die neuentwickelte Technologie mit Lasertrackern erforderte zunächst die Aufstellung des dafür erforderlichen Prozessablaufs. Dieser besteht aus der Aufbereitung der CAD-Daten und den anschließenden Arbeiten im Wagenkasten. Ein kurzer Film demonstrierte die Arbeiten anschaulich.

Robin Ullrich stellte „Automatisierte Messverfahren beim Schienenfahrzeugbau“ vor, wie eine Qualitätskontrolle nach DIN 23045 durchgeführt werden kann. Mit diesen Verfahren ist u. a. die Erfassung von Schienenfahrzeugen für die Rekonstruktion (Reverse Engineering), die Erfassung der Ist-Geometrie und damit ein Soll-Ist-Vergleich im Rahmen der Qualitätskontrolle von Schienenfahrzeugen. Die Ergebnisse lassen sich z. B. Rückschlüsse auf Laufgüte, die Fahrzeugumgrenzungslinie und die Sicherheit/Netztauglichkeit von Schienenfahrzeugen ziehen.

 

Exkursionen

Nach den Vorträgen des ersten Tages starteten die angemeldeten Teilnehmer zu den beiden Exkursionen.

Eine Gruppe von Seminarteilnehmern hatte die Möglichkeit, die Baustelle „Neubau der U-Bahn-Linie U5“ vor Ort zu besichtigen. Herr Osterwald von der BVG Projekt GmbH und Herr Reetz-Graudenz (Oberbauleiter der ARGE) stellten im Logistikzentrum am Marx-Engels-Forum den aktuellen Stand des Projekts vor. Anschließend konnten die Teilnehmer die U5-InfoStation im U-Bahnhof Rotes Rathaus besichtigen. Es ging dann weiter zur Bahnsteigebene und noch eine Ebene tiefer zur Aufstellanlage. Dort war die Baustelle unmittelbar zu erleben. Die Bauarbeiten gehen allmählich dem Ende zu, derzeit laufen umfangreiche Arbeiten für die Vorbereitung der Inbetriebnahme. Das BILDUNGSWERK VDV hat es sehr geschätzt, dass trotz der angespannten Arbeitssituation einer Gruppe des Gleisbauseminars die Baustellenbesichtigung seitens der BVG Projekt GmbH ermöglicht wurde.

Die zweite Exkursion führte auf die Baustelle im Berliner Ostbahnhof. Dort erläuterte der Projektleiter der DB Station & Service AG und unser Referent Matthias Burg das zuvor im Vortrag erläuterte Konzept für die Einrichtung eines permanenten Geo-Monitorings der Bahnhofshalle. Die 100 Jahre alte Halle wird in den kommenden fünf Jahren umfassend saniert. Dazu waren vorbereitende Maßnahmen erforderlich. Zur Minimierung der Windlast während der Sanierung wurde auf der Nordseite ein Teil der Scheiben ausgebaut. Zur Stabilisierung sind außerdem an den Fußpunkten der Stützen bauzeitliche Halterungen angebracht worden, um eine Entlastung der Hallenkonstruktion zu erreichen. Trotzdem kann es bei sehr ungünstigen meteorologischen und weiteren Bedingungen zu einer Instabilität kommen. In Intervallen von 15 Sekunden wird eine Abfrage aller relevanten Messgrößen durchgeführt. Dadurch ist es den Verantwortlichen möglich, die Standsicherheit der Hallenkonstruktion während der Sanierung einzuschätzen und ggf. Maßnahmen einzuleiten. Alle Teilnehmer gewannen so einen unmittelbaren Eindruck, wie die im Vortrag beschriebene Sensorik die Sicherheit während der Hallensanierung gewährleistet.

    

Podiumsveranstaltung

Die Mehrzahl der Teilnehmer konnte sich nach der Kaffeepause bei den einzelnen Kurzvorträgen der sieben Aussteller über Aktuelles und Neuigkeiten bei den einzelnen Firmen informieren. Die Vorträge dauerten jeweils 10 min. und sollten dazu beitragen, am jeweiligen Stand des Ausstellers näheres dazu mit war anschließend noch Zeit, sich mit speziellen Fragen direkt an die einzelnen Aussteller zu wenden.

Der traditionelle Branchentreff am Abend in der Beuth Halle beschloss den ersten Seminartag. Dort wurden die Möglichkeiten zu Diskussionen ausgiebig genutzt.

Am Sonnabend folgten fünf weitere Vorträge.

Session 4

Erster Referent war Nico Zeibig (EPV-GIV Europrojekt Verkehr-Gesellschaft für Ingenieurleistungen im Verkehrswesen mbH, Dresden) mit dem Thema „Planungsbegleitende Vermessung Erstellung eines BIM-Bestandsmodells des Dresdner Hauptbahnhofs“. Zunächst sprechen der Referent und der Verfasser dieses Berichts dem zuständigen Projektleiter von DB Station & Service in Leipzig einen herzlichen Dank für die freundliche Zustimmung zur Veröffentlichung aus! Nach einer kurzen Vorstellung von EPV-GIV ging der Referent auf die Zusammenarbeit mit DB Station & Service, dem Auftraggeber (AG) ein. Dieser schreibt seit 2017 für alle neuen Projekte BIM vor, daher sind dort bereits ausreichend Erfahrungen dazu vorhanden. Die Aufgabenstellung beinhaltete, das gesamte Bauwerk in verschiedenen Detaillierungsgraden zu erfassen. Für die Aufmessung waren über 400 Scanstandpunkte erforderlich, das Dach (Teflon-Membran) wurde mit einer Vermessungsdrohne (3 Flüge, 1500 Bilder, Flughöhe 50 m) beflogen. Für die Modellierung waren Bauteilekataloge nur sehr bedingt verwendbar. Die Modellierung des Membrandaches wurde mit NURBS-Flächen vorgenommen. Eine Herausforderung war, dass mit zunehmenden Projektfortschritt partiell der Grad der Detailliertheit (LoD 500) erhöht wurde. Umfangreiche Änderungen im Bestand nach knapp 2 Monaten (z. B. Umbau von Bahnsteigen) waren nach einem Soll-Ist-Vergleich in das Modell einzuarbeiten. Das Fazit des Referenten: BIM bietet der Vermessung große Chancen in der Zukunft. Für eine erfolgreiche Arbeit sind eine Vielzahl von Faktoren ausschlaggebend, eine wichtige Voraussetzung ist die Erarbeitung der Aufgabenstellung durch alle Projektbeteiligten. Damit wird ein optimales Modell für das Bauen im Bestand erhalten.

Anschließend stellte Daniela Hofmann (DB Engineering & Consulting, Bremen) mit Ihrem Vortrag „Georadar – Der Blick ins Verborgene“ die Möglichkeiten und Grenzen dieser Technologie vor (Abb. 6). Die Referentin ging zunächst kurz auf das Verfahren Georadar ein. Sie betonte, dass es keine neue Technologie ist und bei der DB bereits seit 1993 angewendet wird. Georadar zählt zu den indirekten Aufschlussmethoden der geotechnischen Untersuchungen (DIN 4020). Das Verfahren ist bei der DB für die Untersuchung des Unterbaus bei klassischem Schotteroberbau zugelassen (Ril 836). In den vergangenen 27 Jahren wurde Georadar permanent weiterentwickelt und ist heute für unterschiedliche Anwendungen verfügbar. Verknüpft werden kann Georadar auch mit anderen Sensoren (z. B. Videokamera oder GPS). Das Verfahren dient in erster Linie der Erhöhung der geotechnischen Sicherheit auf künftigen Baustellen. Für eine zielführende Anwendung sind verschiedene Faktoren ausschlaggebend, dazu gehört vor allem die Wahl der richtigen Antennenfrequenz und des richtigen Auflösungsvermögens. Es folgte die Erläuterung von Anwendungen unterschiedlichster Art, von Schlammstellen im Gleis über die Detektion von Planumsschutzschichten bis hin zur Bewehrungsortung. Abschließend wurden die verschiedenen Entwicklungen im Rahmen von Digitalisierung und BIM kurz vorgestellt.

 

Session 5

In der vorletzten Session folgten zwei Vorträge zum Thema „Raumordnungsverfahren und Trassierung“.

Jens Bartnitzek (A+S Consult GmbH, Dresden) stellte in seinem Beitrag „Infrastructur Information Modeling in KorFin®, dargestellt an Gleisnetzen“ die aktuellen Möglichkeiten einer 3D-Trassierung vor. A+S Consult ist sowohl Entwickler als auch Nutzer (als Ingenieurbüro). 2014 stellte Kristin Storm bereits diese Software auf dem Gleisbauseminar vor. Seitdem hat KorFin® eine rasante Entwicklung hin zu einem sehr komplexen Produkt genommen. Die heutige Version bietet im Vergleich zu damals weitaus mehr Möglichkeiten zur komplexen Planung von Verkehrswegen. Heute ist die dynamische Trassierung Standard und der Bereich LST wurde jüngst als Fachplanung integriert. Planen und Bauen 4.0 ist in allen Infrastrukturbereichen möglich. Die Anforderungen sind bei Infrastrukturprojekten im Gegensatz zu Hochbauprojekten aber erheblich komplexer, da die Modelle störanfälliger sind und die Bestandsmodellierung eine wichtige Rolle spielt. In KorFin® werden deshalb BIM-Projekte mit dynamischen Fachmodellen verknüpft und in das KorFin® Gesamtmodell integriert. BIM „3D-Planen“ (Integratives Infrastructure Information Modeling - IIM) ist hier realisiert. Direkt mit der Software demonstrierte der Referent live eine Bestandmodellierung. Dabei wurden frei verfügbare Geobasisdaten sowie planbasierter Bestandsdaten und Gleisnetzdaten der DB eingebunden. Des Weiteren wurde ein BIM-LST-Pilotprojekt sowie die dynamische Trassierung in einer Live-Demo vorgestellt. Fazit: BIM „3D-Planen“ bringt einen erheblichen Mehrwert für eine integrierte Trassenplanung unter Berücksichtigung aller Fachgewerke.

Im zweiten Vortrag dieser Session ging es dann um Fragen von Raumordnungsverfahren und BIM im Zuge der Trassenfindung für eine Neubaustrecke. Kay Müller (DB Netz AG, Leipzig) stellte den aktuellen Stand für die Planung der Neubaustrecke (NBS) Dresden – Prag vor. Die NBS ist inzwischen als vordringlicher Bedarf im Bundesverkehrswegeplan enthalten und ein Staatsvertrag zwischen Deutschland und Tschechien für dieses Infrastrukturprojekt ist in Vorbereitung, bis zum Abschloss wird es aber noch etliche Zeit vergehen. Herausforderungen sind die Richtlinien/Regelwerke von CD und DB, das unterschiedliche Planungsrecht und nicht zuletzt auch die jeweiligen geodätischen Grundlagen. Bemerkenswert ist, dass für das Raumordnungsverfahren bereits seit 2018 eine gemeinsame und offene Herangehensweise mit allen Beteiligten, nicht nur den einzelnen Fachplanern, sondern allen Betroffenen wie z. B. den Bürgern, praktiziert wird. Damit sollen eigentlich Konflikte weit vor der Entwurfsplanung ausgeräumt werden. Trotzdem stieß das Projekt zunächst auf eine totale Ablehnung, die sich inzwischen aber in eine sachliche und konstruktive Diskussion gewandelt hat. Die Vorplanung wird vsl. 2024 abgeschlossen werden. Wie bei allen Großprojekten wird es aber noch dauern, bis der erste Spatenstich erfolgen kann.

 

Session 6

Eine Sonderstellung hatte der Vortrag „Rückblick auf 20 Jahre Gleisbauseminar“ in der abschließenden Session. Berndt Weise stellte mit seiner Erfahrung als Hauptorganisator des Seminars über sehr viele Jahre die Entwicklung dieser erfolgreichen Veranstaltung in den vergangenen 20 Jahren vor (Abb. 7). Dazu hatte er eine Unmenge von Daten und Fakten zusammengetragen und mit prägnanten Bildern untersetzt. Der Verfasser möchte an dieser Stelle seinen persönlichen Dank an Berndt Weise für diesen Vortrag aussprechen! Verwiesen sei hier auf Beitrag „VDV Gleisbau Berlin: 20 interessante Jahre“ vom Referenten im Heft 3/2020 dieser Zeitschrift.

 

Abschließende Einschätzung

Die Bewertungsbögen nutzten mehr als 65% der Teilnehmer und gaben damit ein wichtiges Feedback zum Seminar. Zur regen Nutzung trug wie in den Vorjahren auch 2020 wieder die Tombola bei. Eine größere Anzahl wertvoller Preise, gestiftet von verschiedenen Firmen und Institutionen, konnte den glücklichen Gewinnerinnen bzw. Gewinnern überreicht werden (Abb. 8). An dieser Stelle ein herzlicher Dank an alle Stifter, die uns das ermöglicht haben.

Bewertet wurde das Seminar insgesamt als gut (Erwartungen erfüllt, von Nutzen für die tägliche Arbeit, Menge und Länge der Beiträge jeweils angemessen), wobei kritische Stimmen nicht fehlten. Dazu zählten z.B. Hinweise zu Verbesserungsmöglichkeiten bei technisch-organisatorischen Fragen, Vorschläge zu Themen für 2021 und dem Wunsch nach mehr Vielfalt.

Am Ende des Seminars zog der Fachgruppenleiter ein kurzes positives Resümee. Ein herzlicher Dank galt dem eingespielten Team der FG 11 für die organisatorische Vorbereitung, Durchführung sowie technische Sicherstellung des Seminars. Ohne das ehrenamtlich arbeitende Team wäre so ein Seminar nicht möglich (Abb. 9)!

Die Fachgruppe 11 schätzt es sehr, dass das 20. Gleisbauseminar noch durchgeführt werden konnte. Es kann abschließend konstatiert werden, dass das 20. Gleisbauseminar insgesamt als erfolgreich bewertet werden kann. Wir hoffen, dass im kommenden Jahr das 21. Gleisbauseminar möglich sein wird. Geplant ist es am 5. und 6. März 2021, die Zusage der Beuth Hochschule liegt vor. Das vorläufige Programm wird im Dezember 2020 auf der Website des BILDUNGSWERK VDV zu finden sein, einige allgemeine Informationen evtl. schon im Herbst.

 

VDV Gleisbau Berlin: 20 interessante Jahre  20 interessante Jahre

Das BILDUNGSWERK VDV bot 2020 die Seminarreihe VDV Gleisbau Berlin zum 20. Mal an und wieder waren über 240 Fachleute der Einladung in die BEUTH Hochschule für Technik zu kommen gefolgt.
Ein paar Ereignisse aus der Vergangenheit möchte ich Ihnen ins Gedächtnis rufen.
 

Der Beginn 2000
Die Idee und ein Konzept dazu hatten Dieter Klemp und Robert Rausch. (Anmerkung: Dabei hatten zwei eintägige Vorgänger-Seminare in Essen nur mäßigen Erfolg.)
In Berlin folgten dann vom 22./23.9.2000 bis heute mehr als 3.000 Seminarteilnehmer. 2000 konnten im Hotel Dietrich-Bonhoeffer-Haus in der Ziegelstraße 30, 10117 Berlin 47 Teilnehmer (TN) begrüßen, u.a. Thomas Kieser, Bernd Hillemann, Jürgen Wermter, Thies Rickert, Ralf Kowalski, Hanke Wohler, Stefan Löschke, Esther Linder, Ulrich Völter. Die vorgenannten Teilnehmer (und einige mehr) haben uns in den zurückliegenden Jahren immer die Treue gehalten.

2001 tagte das BILDUNGSWERK VDV mit 37 TN zum zweiten Mal im Hotel Dietrich-Bonhoeffer-Haus in der Ziegelstraße nahe dem Friedrichstadt-Palast mit neuen Themen. Die Vermessung der Festen Fahrbahn (FFB) war damals ein wichtiges aktuelles Thema. Eine interessante Werksbesichtigung bei Bombardier Transportation in Hennigsdorf begann mit einem Fachvortrag über den Fahrzeugbau sowie dem Lichtraum der S-Bahn Züge (Bild 1).

2003 im Landessozialgericht

Durch den jahreszeitlichen Wechsel von September auf Februar/März musste 2002 der Veranstaltungstermin leider ausfallen. Im April 2003 trafen sich 115 Teilnehmer (Anmerkung: Die stark gestiegene Teilnehmerzahl von 2001–03 war u. a. durch den intensiven Kontakt von Robert Rausch zu den Planungsbüros in seiner neuen Stelle bei der DB Netz AG möglich.) im ehrwürdigen Gebäude des Landessozialgericht in der Invalidenstraße 52 und konnten den Themen der Gleisvermessung sowie des Neubaus des Lehrter Bahnhofes, heute Hauptbahnhof Berlin folgen. Auf dem ehemaligen Gelände des Nordbahnhofes wurden die aktuellen Gleismesswagen ausgestellt und besichtigt. Für eine lebhafte Diskussion standen die Erbauer EPV-GIV und Angermeier Ingenieure vor Ort mit Rat und Tat zur Verfügung (Bild 2).

Eine zweite Gruppe trat eine Besichtigung der Baustelle Lehrter Bahnhof (heute Berlin Hbf) an und konnte so den Rohbau in den verschiedenen Ebenen erleben (Bild 3).

Anm.: In dieser Zeit wurden die Seminareinladungen von R. Rausch und D. Klemp noch eingetütet und per Post versandt. Auch die Vortragsfolien wurden mithilfe eines Overhead-Projektors auf die Leinwand projiziert. Durch die zunehmende Digitalisierung war dann eine Information per Mail möglich. Für die Vortragsdarstellung konnten Power-Point, Beamer und Pointer eingesetzt werden. Eine willkommene Erleichterung damals und heute selbstverständlich.

Der Wechsel zur Palisade 2004

2004 folgte der Wechsel zur Palisade im ehemaligen Umspannwerk OST in der Palisadenstraße 48. 157 Teilnehmer folgten im Dachgeschoss den auf zwei Leinwänden projizierten Vorträge der Referenten. Die besondere Atmosphäre und die Nähe zwischen Publikum und Referenten forderte zu guten Diskussionen heraus. Themenschwerpunkte waren die geschwindigkeitserhöhende Neigetechnik sowie die Weichentechnologien und GIS. Im nächsten Jahr 2005 folgten 175 (!) Teilnehmer den Ausführungen von NXO zu DB_REF sowie den Erfahrungen beim Projekt TAIWAN HIGH SPEED RAIL. Die zweite Besichtigung der Großbaustelle des Lehrter Bahnhofes (ab 2006 Berlin Hbf) erfolgte parallel zur Werksbesichtigung TALGO. Hier konnten wir die aktive Neigetechnik in Theorie und Praxis am Fahrzeug sehen. (Anm.: Die gleisseitige Neigetechnik wird in 2020 auf der Strecke Lindau–München schon wieder ausgebaut.)

2006 folgten 138 Teilnehmer den Ausführungen zum Oberbau und die Vermessung der FFB sowie der Gleisabnahme auf den aktuellen Berliner Baustellen. Gleich bei drei Exkursionen konnten die interessierten Bahner mitmachen, ICE-Instandhaltung Rummelsburg (Bild 4), Parkeisenbahn Wulheide und Betriebsleitzentrale der S-Bahn.

2007 war das Highlight der Vortrag von Ali Ahrary über die Metro Dubai. Die Red Line (52 km) und Green Line (22,5 km) werden mitten durch Dubai auf Stützen oder im Tunnel in kürzester Zeit erbaut, die Eröffnung war für 2009 vorgesehen. Die Metro Dubai wurde planmäßig eingeweiht und ging, wie vorgesehen in Betrieb. (Anm.: Die FG Ingenieurvermessung konnte 2008 die Baustellen in aufgeständerter Bauweise sowie im Tunnel besichtigen. Auch das Fertigteilwerk sowie das Depot waren sehenswert).

In weiteren Vorträgen wurden u. a. folgende Multisensorsysteme vorgestellt: XRide, GleisSurVers, SiRailScan und RACER.

Die Baustelle OSTKREUZ sowie die Schienenanbindung des Berliner Flughafens International (BBI) waren in 2008 neben dem Infrastrukturdatenmanagement (IDMVU) bei den Nahverkehrsunternehmen wichtige Themen. In 2009 konnten wir die Infrastrukturprojekte des Staates Libyen verfolgen. Weichen und Geomonitoring am Ceneri Basistunnel (CH) waren neben den Messsystemen in den USA und dem Streckenatlas RailNav interessante Projekte. Die diesjährige Exkursion führte zur Baustelle OSTKREUZ (Bild 6).

Auch 2010 noch im Veranstaltungsort Palisade wurde das Datenmanagement und Linienführung der Eisenbahnen in Qatar, das Positionierungs-System GNSS-Referenznetz Fehmarnbelt sowie die Vermessung der LGV (Ligne a Grande Vitesse) Perpignan-Figueras vorgetragen. Weitere Themen waren der Gleismesswagen „Krabbe“ und die Trimble VX Systeme. Das GPS-gestütztes Vormesssystem für Gleisstopfmaschinen rundete den Themenreich ab. Am Freitagnachmittag wurde der Fahrzeughersteller STADLER in Pankow mit seiner sehenswerten Produktion von Schienenfahrzeugen besucht.
Das nächste Seminar in 2011 stand mehrfach im Zeichen verschiedenster Baustellen. Dabei wurden Schienenprojekte in China mit Schweizer Messsystemen, geodätische Herausforderungen beim ÖBB-Projekt „Koralmtunnel“ und geotechnische sowie geodätisches Monitoring bei der „Durchmesserlinie Zürich“ (SBB) vorgestellt. 10 Jahre DB_REF, Kombilösung Karlsruhe, mit dem Tunnelbau in der Innenstadt und die Stadtbahn Wehrhahnlinie Düsseldorf aus geometrischer Sicht waren weitere interessante Themen.
Eine besondere Exkursion stand diesmal an; der DB-Messzug LIMEZ III startete im Bahnhof Lichtenberg mit mehreren Messfahrten, die im Büro GI-Consult (Bornitzstraße 73-75) mit den Auswertungen dazu ihren sehr informativen Abschluss fand (Bild 7).

Eine weitere Exkursion zum Eisenbahnbetriebsfeld (EBuEf) an der TU Berlin brachte wertvolle Erkenntnisse zum Eisenbahnbetrieb, die hier im Modell realistisch dem Vorbild nachempfunden wurden.
 

Ab 2012 im Tagungszentrum ver.di

Die in 2011 bei 154 angekommene Teilnehmerzahl verlangte nach einem größeren Veranstaltungsort, den wir 2012 im nahegelegen Tagungszentrum ver.di am Paula-Thiede-Ufer (unweit vom Ostbahnhof) finden konnten. Schwerpunkte diesmal waren die Erfassung der METRO Barcelona mit MoSES und die Auswertung mit CARD/1. Die Vermessung des 57 km langen Gotthard Basistunnels -GBT- für die Feste Fahrbahn war eine Mammutaufgabe für die Abnahme der Gleise. Mit Laserscanning im Gotthard BT erfolgte die Abnahme der Tunnelröhren.
Stilgerecht fand dann die Exkursion mit der S-Bahn zum Neubau der Flughafenstrecke Ost und zum Bahnhof Berlin-Brandenburg International (BBI) statt. Dabei haben wir am Flughafen BBI in 2012 schon den fertigen Bahnhof besichtigen können!

2013 waren wir mit drei Vorträgen gedanklich in Kopenhagen (DK), erst die HGV-Strecke Kopenhagen-Ringsted, dann das Monitoring/Datenmanagement des U-Bahn-Projekts Cityringen Kopenhagen und das automatische Monitoringsystem am Beispiel Metro Kopenhagen. Die Gleisüberwachung der SBB-Strecke Zürich-Oerlikon war ebenso ein Thema wie die Auswirkungen für die Stadtbahn vom Bau des Großprojektes Stuttgart 21. Spannend war der Vortrag über die neuen Hauptbahnhöfe der ÖBB in Wien und in Salzburg, mit der gelungenen Architektur und den optimierten Betriebsabläufen. Der erfolgreiche Drohneneinsatz in der Vermessung und bei der DB AG wurden besprochen. Bei einer besonderen Exkursion waren wir zu Gast beim Fahrzeughersteller SIEMENS in Berlin-Treptow. Dort wurde uns das europäische Signalsystem ETCS mit einem Streckensimulator vorgestellt (Bild 8).

Das Schwerpunktthema in 2014 war das Projekt Lückenschluss U5 in Berlin mit einem aktuellen Bericht über die Baumaßnahme, die Trassierung sowie die Bauüberwachung. Ergänzend schloss sich am Nachmittag der Besuch der Baustelle in Berlin-Mitte an. Über den Stand der großen Baumaßnahme VDE 8 Nürnberg–Erfurt–Berlin sowie das Baustellen-Informationssystem auf der VDE 8.2 NBS Erfurt–Halle/Leipzig wurde berichtet. Der Bau der 3. Stufe der Nord-Süd-Stadtbahn in Köln und über den Korridorfinder „KorFin“ wurde ebenfalls vorgetragen. Die „Stopfdiskette“ war in der BVG-Werkstatt in Berlin-Britz beim praktischen Stopfmaschineneinsatz der Fa. TRAPP im Nahverkehr ein besonderes Diskussionsthema (Bild 9).

Ab 2015 in der BEUTH Hochschule für Technik

Da die Gewerkschaft ver.di von Januar bis März 2015 das Tagungszentrum benötigte, mussten wir in die BEUTH Hochschule für Technik umziehen. Hier stand und steht uns ein Vortragsaal für mehr als 400 Teilnehmer zur Verfügung. Auf dem Programm standen der Schienengüterverkehr in den Vereinigten Arabischen Emiraten (VAE), Projekt Bahnstrecke Tel-Aviv–Jerusalem (Israel) sowie Actual Aspects of Surveying for the Fehmarn Project (DK). Die neue U4 in Hamburg war u. a. ein Thema genauso wie die aktuelle Marktanalyse und Bewertung der am Markt befindlichen Gleisvermessungssysteme. Am Nachmittag schloss sich ein Erfahrungsaustausch zu aktuellen Themen der heutigen Gleisvermessung an.

In 2016 waren u. a. die Gleisvermessung LGV Bretagne-Pays de la Loire in Frankreich, Stand der Eisenbahnen in China mit dem größten HGV-Netz der Welt und die Schienenanbindung Feste Fehmarnbeltquerung besondere Themen. Auch Building Information Modelling (BIM) wurde am Beispiel „Erneuerung Hbf. Hannover“ dargestellt. Zur Gleisvermessung hatte Plasser&Theurer eine besondere 100 km/h schnelles Messfahrzeug in Betrieb genommen, den EM100VT. VT steht für »Virtual Track«, das virtuelle Gleis. Der digitale Zwilling trifft die absolute Gleisgeometrie auf dem Weg zur intelligenten Instandhaltung. In der nachmittäglichen Diskussionsrunde wurde die Nutzung von UAV´s für die Eisenbahnvermessung besprochen.

Der Schienenverkehr in Qatar, der längste Eisenbahntunnel Norwegens, das Follo-Line-Projekt in Oslo, die VDE 8, Stuttgart21, die neuen Regelwerke der Eisenbahnvermessung (Ril 883) sowie das hochaktuelle BIM (Fehmarnsund) waren u. a. die Themen in 2017. Als besonderes Highlight: der Vortrag über die Vermessung auf höchstem Niveau, die neue Zugspitzbahn (Seilbahn).

Am Nachmittag standen zwei Besuche in Berlin an: die Baustelle S21 (Bild 10) sowie in direkter Nähe das Bundesministerium für Verkehr und digitale Infrastruktur (BMVI) für „BIM in der Infrastruktur“ mit mehr als 100 Teilnehmern auf dem Programm.

Mit der Umsetzung der BIM-Arbeitsmethode für die Strecke Karlsruhe–Basel begann 2018 das Vortragsprogramm. Anhand eines Eisenbahn-Projektes in Norwegen wurden hier die guten Erfahrungen mit der BIM-Technologie präsentiert. Ein Blick in die Zukunft gestattete uns Marianna Kopsida (Trimble UK), indem sie sich mit einer VR-Brille in einem virtuellen Projekt bewegte. Die vielfältigen Möglichkeiten wurden anhand eines DB-Haltepunktes deutlich gemacht, ein Highlight. Ein besonderer Dank geht an GI-Consult und M. Bartsch, die diese Vorführung mit umfangreichen Vorbereitungen (Erstellen des AR-Modells des o.g. Haltepunkts) erst ermöglichten (Bild 11).

Die Vermessung des 85 km lange Metro-Projekts in Qatar erfolgt von Noack International mit modernster Technologie dem System GEDO von Trimble. Das Jahrhundertbauwerk Stuttgart 21 u .a. mit der Absteckung der sogenannten Kelche und die 3D-Vermessung bei Reisegeschwindigkeiten bis 160 km/h waren weitere Themen. Die Baustelle OSTKREUZ wurde kurz vor der Fertigstellung sowie das Eisenbahnbetriebsfeld (EBuEf) besucht. Eine Gruppe konnte an einer Live-Demonstration mit einer AR-Brille teilnehmen und sich im Projekt des o.g. DB-Haltepunktes bewegen. Parallel dazu erfolgte eine Diskussion über den Entwicklungsstand von BIM in der Infrastruktur. Wir sind auf einem guten Weg, war die Meinung der Bahner.

In 2019 stand BIM wieder im Vordergrund mit den Vorträgen BIM-Pilotprojekt Turmbahnhof Doberlug-Kirchhain im Süden Brandenburgs und die georeferenzierte Bestandsaufnahme für BIM-Projekte mit dem Messfahrzeug EM100VT. Hier wurde wohl mehr die Gleisaufnahme mit dem EM100VT bei 100 km/h und deren Auswertung (siehe 2016) betrachtet. Diese automatische Erfassung und Klassifizierung von Eisenbahnobjekten wird vom Fraunhofer-Institut IPM durch lernende Algorithmen (Deep Learning) statt manueller Verfahren durchgeführt. Weiterhin waren das neue GIS-System AGON (Nachfolgesystem für das bekannte DB-GIS) der DB Netz AG ein Thema sowie das Projekt Brenner Basistunnel mit dem Schwerpunkt auf das komplizierte Verfahren zur Inbetriebnahme. Am Nachmittag waren die Besichtigung der S-Bahn Berlin-Betriebszentrale und der Besuch des BMVI zum zweiten Mal möglich. Durch den engen Zeitrahmen ließen die ministeriellen Informationen zu BIM in der Infrastruktur viele Fragen offen, schade.

Zusammenfassend entwickelten sich die Teilnehmerzahlen von 37 TN (2000) über 175 TN (2005) auf 235 in 2020!

Bei einigen Ausstellern konnten sich die Teilnehmer (seit 2007) ergänzende bzw. vertiefende Informationen über ihre Produkte holen. Einen besonderen Dank dafür, denn es ist eine Bereicherung für das jeweilige Seminar, z. B. bei

– Sinning Vermessungsbedarf GmbH/Trimble Railway GmbH,
– OBERMEYER/ProVI GmbH,
– AKG Software Consulting GmbH,
– Amberg Technologies AG und Bahnwerk GmbH,
– DMT GmbH et Co. KG,
– ARC-Greenlab,
– AllTerra Deutschland GmbH u.v.a.m.

Unterstützung fanden wir bei:
– GEODIGITAL und card_1, – Plasser&Theurer, – Eurailpress/DVV Media Group, – Verlag Chmielorz, – Verlag Internationales Verkehrswesen u.v.a.m.

Mein Fazit in 2020:

-          Wir waren mit den Themen immer aktuell.

-          Mit den Vortragsthemen waren wir nicht nur auf Deutschland fixiert.

-          Der Mix aus Planung, Bau und Vermessung macht das Seminar interessant.

-          Neue, innovative Ideen werden hier von Experten vorgestellt.

-          Die Teilnehmer kamen und kommen u. a. auch aus dem benachbarten Ausland, z. B. aus der Schweiz, Österreich, Luxemburg und Dänemark.

Die folgenden Kollegen waren bzw. sind im Team VDV:

-           

Dieter Klemp

von 2000 bis 2004

-           

Robert Rausch

von 2000 bis 2005

-           

Christian Manthe

von 2003 bis heute

-           

Hanke Wohler

von 2005 bis 2008

-           

Berndt Weise

von 2006 bis 2018

-           

Jörg Zimmermann

von 2008 bis heute

-           

Wolfgang Kallmeyer

von 2009 bis 2015

-           

Renate Weise

von 2009 bis 2018

-           

Sebastian Hansel

2009

-           

Tina Gürgen

von 2009 bis heute

-           

Martin Wiesenhütter

von 2010 bis 2018

-           

Peter Holzberg

von 2012 bis 2014

-           

Bernd Haselow

von 2015 bis 2019

-           

Thomas Zeidler

von 2016 bis 2019

-           

Lucas Garbe

von 2016 bis 2019

-           

Robert Jonke

ab 2019 bis heute

-           

Andrea Garbe

von 2017 bis heute

-           

Andy Kobs

ab 2020

Besten Dank für ihre ehrenamtliche Tätigkeit!

Noch ein Hinweis: Ein eintägiges VDV-Gleisbau-Seminar Rhein-Ruhr findet in Köln bzw. ab 2019 in Mülheim an der Ruhr jährlich im November statt.

„Ohne Vergangenheit keine Zukunft“. Damit wünsche ich Ihnen weiterhin tolle neue Erkenntnisse zum System Bahn und Allzeit freie Fahrt (HP 1)! Bleiben Sie dem VDV-Gleisbau-Seminar in Berlin treu.

 

Ihr Berndt Weise



Literatur:

VDV-Schriftenreihe Bände 20, 25 und 26. Verlag Chmielorz, Wiesbaden.

VDVmagazin: Berichte von den Seminaren.

 

 

Seminar 11120 des BILDUNGSWERK VDV am 28./29. Februar 2020

„Gleisbau 2020“ am Veranstaltungsort Beuth Hochschule für Technik Berlin

Mit der Geodäsie als Dienstleister für raumbezogene geometrische Informationen zur Planung, Baudurchführung und Bestandsdokumentation dient dieses jährlich stattfindende Seminar der Vermittlung neuer Erkenntnisse und dem interdisziplinären Erfahrungsaustausch.

Die diesjährigen Themen sind weit gestreut, von nationalen und internationalen Großprojekten (u.a. Projekt NBS Dresden – Prag und Projektvorstellung Lückenschluss U5 in Berlin), über aktuelle BIM-Projekte (3D-Modellierung Dresden Hbf.) bis hin zu Vorträgen über Georadar bzw. aktuelle Geo-Monitoring-Projekte.

Am Freitagnachmittag werden die Aussteller in kurzen Statements ihre Neuheiten vorstellen, anschließend sind vertiefende Gespräche an den Firmenständen geplant. Im Rahmen einer Exkursion kann eine Baustelle der U5-Verlängerung besichtigt werden.

Durch die große Teilnehmerzahl, rund 230 Fachleute werden erwartet, ist ein reger Erfahrungsaustausch garantiert, neue Kontakte können geknüpft werden. Präsentationen von verschiedenen Firmen runden dieses Seminar ab.

Verschiedene Firmen präsentieren z.B. spezielle Softwarelösungen für die Infrastrukturplanung und Messmittel rund um das Gleis, weiterhin sind der Verlage Chmielorz (Fachzeitschrift „VDVmagazin“) und Eurailpress (Fachzeitschrift „EI – DER EISENBAHNINGENIEUR“ und Jahrespublikation “EIK - EISENBAHN INGENIEUR KOMPENDIUM“) sowie der VDEI - Verband Deutscher Eisenbahn-Ingenieure e.V. vor Ort vertreten.

Die an die Referate anschließenden kurzen Diskussionen, die Vortragspausen und der Branchentreff am Freitagabend bieten gute Möglichkeiten zum interdisziplinären Erfahrungsaustausch und dem Knüpfen neuer Kontakte zu Fachkollegen.

Die Präsentationen von Firmen aus dem Bereich Gleis und Bahn finden Sie im Foyer vor dem Vortragssaal

Wir würden uns freuen, Sie zum Gleisbauseminar 2020 begrüßen zu können. (Das vorläufige Programm und aktuelle Informationen finden Sie hier auf der Website).

Folgende Themen sind zurzeit geplant:

- Zerstörungsfreie Prüfung und Untergrunduntersuchung mittels Georadar bei der DB AG,
- Neue Rethe-Doppelklappbrücke für den Straßen- und Schienenverkehr im Hamburger Hafen,
- 3D-Trassierung mit Live-Demo an einem Projekt,
- Bestandsaufnahme des Dresdner Hbf. und Modellierung in BIM,
- Reverse Engineering Geometrische Erfassung von Altwagen im Fahrzeugbau und Planung des Neuaufbaus),
- Aktueller Projektstatus des Projekts „Lückenschluss U5“, Berlin,
- Abnahmemessungen für die Inbetriebnahme der neuen U5, Berlin
- NBS Dresden - Prag (Schwerpunkt Raumordnungsverfahren/Linienbestimmung und BIM)
- u. v. a. m.

Tagungsort: 
BEUTH Hochschule für Technik Berlin, Haus Grashof, Luxemburger Str. 10, 13353 Berlin. Der Veranstaltungsraum, Ingeborg-Meising-Saal, befindet sich im Erdgeschoss des Gebäudes Haus Grashof (siehe nachstehende Datei).

- Podiumsdiskussion
Als Schwerpunkt des Seminars Gleisbau 2020 planen wir, am Freitagnachmittag unter dem Motto
„Was ist aktuell bei uns“ Kurzvorträge der sieben ausstellenden Firmen, anschließend sind vertiefende Gespräche an den Firmenständen möglich

- Geplante Exkursion am Freitagnachmittag mit begrenzter Teilnehmerzahl (jeweils max. 20).

  • - Exkursion 1: Besichtigung der Baustelle der U5; geschlossen seit 08.01.2020,
  • - Exkursion 2: Besichtigung von Messsystemen zur Bauwerksüberwachung (Berlin Ostbahnhof); geschlossen seit 08.01.2020,

- Ausstellung:
Begleitende Fachfirmenausstellung im Foyer vor dem Vortragssaal.

- Branchentreff: 
Am Freitagabend kann der Wissensaustausch nach dem Seminarende (ab 20.00 Uhr) in der BEUTH Halle, direkt hinter dem Vortragsgebäude (Haus Grashof) fortgesetzt werden
(Das Abendbuffet ist in der Teilnahmegebühr enthalten)
Bitte bei der Anmeldung unter "zusätzlich buche ich ..." den Branchentreff auswählen.

Seminardauer: 
28.02.2020, 9:30 bis ca. 17:30 Uhr und 29.02.2020, 09:00 bis ca. 14:00 Uhr

Das Seminar ist von der Ingenieurkammer-Bau NRW mit 8,00 Fortbildungspunkten anerkannt (Seminar-Nummer IK-Bau: 52695).

Das Semninar ist ausgebucht.

Nach der Anmeldung erhalten Sie eine Anmeldebestätigung / Rechnung, deren Bezahlung zur Teilnahme berechtigt. Sie können sich bis zum 21. Februar 2020 anmelden bzw. bis die maximale Teilnehmerzahl von 230 erreicht ist (aktuell: 229, Stand 20.02.2020)
Bitte beachten Sie, dass die Exkursionen sowie der Branchentreff unter "zusätzlich buche ich" auszuwählen sind.

Mitarbeiter der DB AG melden sich bitte bei DB Training unter der Produktnummer Hk5090 an.

Hotelbuchung:
Die Zimmerreservierung erfolgt durch die Teilnehmer. Sie haben die Möglichkeit im nahegelegenen HOTEL MOA BERLIN, Stephanstrasse 41, 10559 Berlin Moabit, ein Zimmer zu buchen (http://www.hotel-moa-berlin.de/).

Teilnahmegebühr:

VDV-/BW VDV-/VDEI-/BDVI-/DVW-Mitglieder

195 € *

Nichtmitglieder

230 € *

Studierende (VDV Mitglieder)

  90 € *

Studierende (Nichtmitglieder)

130 € *

(*) = darin enthalten sind: Seminarunterlagen, Pausenversorgung, Abendbuffet und das Teilnahmezertifikat.

Ansprechpartner für Organisation/Inhalt des Seminars bzw. der Exkursionen:
Jörg Zimmermann, Tel.: (0351) 462-31 52 
 und
Christian Manthe, Tel.: (030) 297–5 75 94 

Ansprechpartner für die Anmeldung zum Seminar (incl. Exkursionen/ Branchentreff):
Tina Gürgen, Tel.: (037439) 43 49 45 

Wir würden uns über Ihre Teilnahme freuen.

Das Team vom BILDUNGSWERK VDV, Fachgruppe 11 - Gleisbau.